Wärmepumpe-COP: Was die Leistungszahl wirklich über Effizienz und Kosten aussagt
Im Datenblatt einer Wärmepumpe steht eine Zahl, die vieles verspricht: der COP. Ein Wert von 4,7 oder gar 5,0 klingt nach einem kleinen Wunder der Physik – und genau dafür sorgt diese Kennzahl bei vielen Angeboten auch. Doch wer eine Heizung für die nächsten zwanzig Jahre auswählt, sollte wissen, was hinter dieser Zahl steckt und, wichtiger noch, was sie über die spätere Stromrechnung nicht aussagt. Denn der COP ist ein Laborwert. Er ist nützlich, aber er beschreibt nicht das, was am Ende auf Ihrer Heizkostenabrechnung steht.
Dieser Beitrag erklärt die Leistungszahl von Grund auf, trennt sie sauber von ihren beiden Verwandten SCOP und JAZ und zeigt, warum aus einem COP von 5,0 im Prospekt in der Praxis häufig eine Jahresarbeitszahl von 3,5 wird. Vor allem aber übersetzt er die Theorie in das, was zählt: Ihre Heizkosten und die Förderfähigkeit Ihrer neuen Anlage.
Was ist der COP einer Wärmepumpe?
COP steht für Coefficient of Performance, auf Deutsch die Leistungszahl. Sie beschreibt das Verhältnis von erzeugter Wärme zu eingesetztem Strom in einem ganz bestimmten Betriebspunkt. Vereinfacht gesagt: Wie viel Heizwärme bekommen Sie aus einer Kilowattstunde Strom?
Das Besondere an der Wärmepumpe ist, dass dieser Wert deutlich über eins liegt. Eine Wärmepumpe erzeugt Wärme nämlich nicht, sie verlagert sie. Den größten Teil der Energie zieht sie kostenlos aus der Umgebung – aus der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser. Der Strom treibt lediglich den Verdichter an, der diese Umweltwärme auf ein nutzbares Temperaturniveau hebt.
Die COP-Formel ist einfacher, als sie klingt
Die Berechnung ist denkbar schlicht:
COP = abgegebene Heizleistung (kW) ÷ aufgenommene elektrische Leistung (kW)
Ein COP von 4,0 bedeutet also: Aus 1 Kilowatt Strom macht die Wärmepumpe 4 Kilowatt Wärme. Drei der vier Kilowatt stammen aus der Umwelt und kosten Sie nichts. Genau darin liegt der wirtschaftliche Reiz der Technik – und der Grund, warum die Leistungszahl überhaupt so eine zentrale Rolle spielt.
Berechnen müssen Sie den COP übrigens nicht selbst. Er wird unter genormten Laborbedingungen nach der europäischen Norm EN 14511 ermittelt und steht im technischen Datenblatt jedes seriösen Herstellers.
A7/W35 – wie Sie die Angabe im Datenblatt richtig lesen
Ein COP ohne Betriebspunkt ist wertlos. Deshalb steht hinter der Zahl immer eine Angabe wie A7/W35. Sie verrät, unter welchen Bedingungen gemessen wurde:
- A7 steht für Air 7 °C – die Wärmequelle Außenluft mit 7 Grad Celsius.
- W35 steht für Water 35 °C – die Vorlauftemperatur des Heizwassers, also wie heiß das Wasser ins Heizsystem geht.
A7/W35 beschreibt damit milde Herbst- und Frühjahrsbedingungen bei einer niedrigen Vorlauftemperatur – mit anderen Worten: das günstigste denkbare Szenario. Ein COP von 5,0 bei A7/W35 ist ein ordentlicher Wert. Derselbe COP von 5,0 bei A15/W35, also bei 15 Grad Außentemperatur, sagt dagegen kaum etwas über die Leistung an einem kalten Januarmorgen aus. Wenn Ihnen also jemand eine beeindruckende Zahl nennt, lautet die entscheidende Rückfrage immer: bei welchem Betriebspunkt?
Der entscheidende Unterschied: COP, SCOP und JAZ
COP – die Momentaufnahme aus dem Labor
Der COP ist eine Momentaufnahme unter idealen, stationären Laborbedingungen an einem einzigen Betriebspunkt. Man kann ihn mit dem Normverbrauch eines Autos vergleichen: hervorragend, um zwei Modelle unter exakt gleichen Bedingungen zu vergleichen – aber nicht das, was Sie real an der Tankstelle bezahlen.
SCOP – der saisonale Mittelwert
Der SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) geht einen Schritt weiter. Er wird nach der Norm EN 14825 über mehrere Außentemperaturen – typischerweise 12, 7, 2 und −7 Grad – ermittelt und zu einem nach Jahreszeiten gewichteten Mittelwert zusammengefasst. Für Deutschland gilt dabei die gemäßigte Klimazone. Der SCOP ist realistischer als der COP und bildet inzwischen die Grundlage für das EU-Energielabel. Er bleibt aber ein normierter Vergleichswert und tendiert dazu, etwas optimistischer auszufallen als die tatsächliche Praxis.
JAZ – der ehrliche Wert aus Ihrem Keller
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) ist die Kennzahl, auf die es wirtschaftlich ankommt. Sie beschreibt das Verhältnis von gelieferter Wärme zu verbrauchtem Strom über ein vollständiges Betriebsjahr – inklusive aller Verluste, die im Labor nicht vorkommen: Abtauvorgänge bei Frost, die Warmwasserbereitung, der Stromverbrauch von Umwälzpumpen und Regelung, Taktbetrieb und gelegentliches Zuheizen mit dem elektrischen Heizstab.
JAZ = erzeugte Jahreswärme (kWh) ÷ verbrauchter Jahresstrom (kWh)
Eine JAZ von 3,6 bedeutet: Über das ganze Jahr, auch im kältesten bayerischen Winter, hat Ihre Anlage aus jeder Kilowattstunde Strom 3,6 Kilowattstunden Wärme gemacht. Für die Auslegung wird die zu erwartende JAZ vorab nach der Richtlinie VDI 4650 prognostiziert; exakt bestimmen lässt sie sich erst nach einem vollen Heizjahr mit einem Wärmemengen- und einem Stromzähler.
Warum aus COP 5 in der Praxis oft JAZ 3,5 wird
Hier liegt die Wissenslücke, die viele Angebote offenlassen. Ein Hersteller wirbt mit COP 5,0 – und dieselbe Wärmepumpe erreicht im realen Betrieb häufig nur eine JAZ von 3,0 bis 3,5. Das ist kein Etikettenschwindel, sondern die logische Folge unterschiedlicher Messbedingungen.
Das Labor misst bei konstant 7 Grad Außentemperatur und niedriger Vorlauftemperatur. Ihr Haus dagegen verlangt der Anlage im Januar bei Minusgraden Höchstleistung ab, will nebenbei Warmwasser auf 55 Grad bringen und schaltet die Pumpe je nach Wärmebedarf ein und aus.
Die Lehre daraus ist einfach: Wer eine Wärmepumpe allein nach dem COP-Wert auswählt, ignoriert die wichtigste Variable – das eigene Gebäude.
Was die Leistungszahl für Ihre Heizkosten bedeutet

Ein Rechenbeispiel für ein bayerisches Einfamilienhaus
Nehmen wir ein teilsaniertes Einfamilienhaus mit einem jährlichen Wärmebedarf von rund 16.000 Kilowattstunden.
- Bei einer JAZ von 3,0 benötigt die Wärmepumpe etwa 5.330 kWh Strom.
- Bei einer JAZ von 4,0 sind es nur rund 4.000 kWh.
Der Unterschied von rund 1.330 Kilowattstunden summiert sich bei einem realistischen Wärmepumpentarif schnell auf mehrere Hundert Euro – Jahr für Jahr, über die gesamte Lebensdauer der Anlage gerechnet auf mehrere Tausend Euro. Diese Differenz entsteht nicht durch ein anderes Gerät, sondern fast vollständig durch Planung, Hydraulik und Vorlauftemperatur. Genau das ist der Grund, warum die fachgerechte Einbindung über die Wirtschaftlichkeit einer Wärmepumpe stärker entscheidet als die Zahl auf dem Datenblatt.
Wärmepumpenstrom gegen Gas und Öl – der Stand 2026
Damit sich die JAZ überhaupt auszahlt, muss das Verhältnis von Strom- zu Brennstoffpreis stimmen – und das hat sich 2026 spürbar zugunsten der Wärmepumpe verschoben.
Wärmepumpenstrom mit eigenem Zählpunkt liegt aktuell je nach Anbieter und Region meist zwischen rund 20 und 27 Cent pro Kilowattstunde und damit deutlich unter dem Haushaltsstrom, den der BDEW Anfang 2026 im Schnitt mit etwa 37 Cent ausweist. Zwei Effekte verstärken den Vorteil: Über den Paragrafen 14a des Energiewirtschaftsgesetzes profitieren steuerbare Wärmepumpen von reduzierten Netzentgelten, und seit 2026 entfallen für Wärmepumpenstrom mit separatem Zähler die KWKG- und die Offshore-Netzumlage, was den Preis noch einmal um rund 1,65 Cent je Kilowattstunde senkt.
Gleichzeitig werden fossile Brennstoffe planmäßig teurer. Der nationale CO₂-Preis bewegt sich 2026 in einem marktbasierten Korridor von 55 bis 65 Euro je Tonne. Für einen Haushalt mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeutet allein die CO₂-Komponente Mehrkosten von etwa 200 bis 240 Euro pro Jahr – mit weiter steigender Tendenz, denn der europäische Emissionshandel für Gebäude wird diesen Preisdruck in den kommenden Jahren erhöhen.
Unterm Strich gilt nach aktuellen Marktwerten: Ab einer JAZ von etwa 3,2 arbeitet eine Wärmepumpe günstiger als eine Gasheizung, und mit steigendem CO₂-Preis verschiebt sich diese Schwelle weiter nach unten.

Die häufigsten Denkfehler rund um den COP
- Der erste Denkfehler ist, den COP für die zu erwartende Effizienz zu halten. Er beschreibt einen einzelnen Laborpunkt, nicht das Betriebsjahr. Für die Stromkosten ist die JAZ maßgeblich.
- Der zweite Denkfehler betrifft den Anschaffungspreis. Wer nur auf den günstigsten Gerätepreis schaut, übersieht, dass eine niedrige JAZ über zwei Jahrzehnte ein Vielfaches der Anschaffungsersparnis an zusätzlichen Stromkosten verursachen kann. Entscheidend sind die Gesamtkosten über die Lebensdauer, nicht der Kaufpreis.
- Der dritte Denkfehler ist die Annahme, ein hoher COP gleiche eine schlechte Planung aus. Das Gegenteil ist der Fall: Eine Wärmepumpe mit moderatem COP-Wert erreicht in einem gut geplanten System mit niedriger Vorlauftemperatur eine höhere JAZ als ein Spitzengerät, das in einem unpassenden System mit zu hohen Temperaturen betrieben wird.
Diese Faktoren bestimmen Ihren realen COP
Die Vorlauftemperatur ist der stärkste Hebel
Die Vorlauftemperatur ist der wirksamste und zugleich am häufigsten unterschätzte Faktor. Je geringer der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Heizwasser, desto weniger muss der Verdichter arbeiten. Als Faustregel verbessert jedes Grad weniger Vorlauftemperatur die Effizienz um rund zweieinhalb Prozent. Der Unterschied zwischen einer Fußbodenheizung mit 35 Grad und klassischen Heizkörpern mit 55 Grad kann eine ganze JAZ-Stufe ausmachen – im Beispiel etwa von 4,3 auf 3,2. Das ist der Grund, warum eine sorgfältige Auslegung der Heizflächen und ein hydraulischer Abgleich keine Formalie sind, sondern bares Geld.
Gebäude, Heizflächen und Wärmequelle
Daneben wirken der Dämmstandard des Gebäudes, die Größe der Heizflächen, die gewählte Wärmequelle und das individuelle Heizverhalten. Ein gut gedämmtes Haus mit großzügigen Heizflächen kommt mit niedrigen Vorlauftemperaturen aus und erreicht hohe Effizienzwerte. Aber auch im weniger gedämmten Bestand lässt sich mit der richtigen Planung eine wirtschaftliche JAZ erzielen – was uns zur vielleicht meistgestellten Frage führt.

COP im Altbau – lohnt sich die Wärmepumpe trotzdem?
Die verbreitete Sorge, eine Wärmepumpe funktioniere im Altbau nicht, hält sich hartnäckig, ist in dieser Pauschalität aber überholt. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die benötigte Vorlauftemperatur. Ein einfacher Praxistest hilft: Drehen Sie an einem kalten Tag Ihre Heizkörper bei einer Vorlauftemperatur von 55 Grad voll auf. Werden alle Räume ausreichend warm, ist Ihr Heizsystem in aller Regel für eine Wärmepumpe geeignet.
Gerade im bayerischen Gebäudebestand mit seinen vielen Häusern aus den Siebziger- und Achtzigerjahren lässt sich die Effizienz oft schon mit überschaubaren Maßnahmen heben – etwa durch den gezielten Austausch einzelner Heizkörper gegen größere Flächen oder eine sorgfältig eingestellte Heizkurve. Hier zeigt sich der Wert einer fundierten Vor-Ort-Analyse durch einen Energieeffizienz-Experten, der die realistisch erreichbare JAZ für Ihr konkretes Haus ermittelt, statt mit einer Datenblattzahl zu werben.
COP, JAZ und Förderung: die 3,0-Schwelle
Die Leistungszahl hat schließlich noch eine handfeste finanzielle Konsequenz, die viele übersehen: Sie entscheidet über die Förderfähigkeit. Für die Bundesförderung über das KfW-Programm 458 muss eine Wärmepumpe eine Mindest-Jahresarbeitszahl von 3,0 erreichen. Eine sauber geplante Anlage, die diese Schwelle deutlich übertrifft, ist damit nicht nur günstiger im Betrieb, sondern überhaupt erst die Voraussetzung für den Zuschuss.
Und dieser Zuschuss ist 2026 substanziell. Die Grundförderung beträgt 30 Prozent der förderfähigen Kosten. Wer eine alte fossile Heizung ersetzt, erhält bis Ende 2028 zusätzlich den Klimageschwindigkeitsbonus von 20 Prozent; bei niedrigem Haushaltseinkommen und besonders effizienten Geräten sind in Kombination bis zu 70 Prozent möglich – maximal 21.000 Euro bei einem Einfamilienhaus. In München legt das kommunale Förderprogramm auf die Bundesförderung sogar noch einen Stadtzuschuss obendrauf.
Wichtig ist die Reihenfolge: Der Förderantrag muss vor der Beauftragung gestellt werden, sonst verfällt der Anspruch. Ein erfahrener Fachbetrieb kennt diesen Ablauf und übernimmt die Abwicklung.
Fazit
Wer das verstanden hat, trifft eine bessere Entscheidung. Er fragt nicht nur nach dem höchsten COP, sondern nach der realistisch erreichbaren JAZ in den eigenen vier Wänden. Angesichts steigender CO₂-Preise, günstiger werdender Wärmepumpentarife und einer Förderung von bis zu 70 Prozent ist der wirtschaftliche Fall für die Wärmepumpe 2026 so klar wie selten – vorausgesetzt, die Anlage ist richtig geplant.
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Häufige Fragen
Der COP gibt an, wie viel Heizwärme eine Wärmepumpe in einem bestimmten Betriebspunkt aus einer Kilowattstunde Strom erzeugt. Ein COP von 4 bedeutet 4 kWh Wärme aus 1 kWh Strom. Er ist ein Laborwert nach EN 14511 und dient vor allem dem Vergleich verschiedener Geräte unter gleichen Bedingungen.
Gute Luft-Wasser-Wärmepumpen erreichen am Standardpunkt A7/W35 einen COP zwischen etwa 4,0 und 5,0. Sole- und Wasser-Wärmepumpen liegen aufgrund konstanterer Wärmequellen meist 15 bis 30 Prozent höher. Entscheidend ist immer, bei welchem Betriebspunkt der Wert gemessen wurde.
A7 steht für eine Wärmequelle (Außenluft) von 7 Grad Celsius, W35 für eine Vorlauftemperatur des Heizwassers von 35 Grad. Es handelt sich um genormte, günstige Messbedingungen. Ein COP bei A7/W35 ist deutlich aussagekräftiger als einer bei höheren Außentemperaturen.
Der COP ist ein Laborwert für einen einzelnen Betriebspunkt. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) beschreibt die reale Effizienz über ein ganzes Betriebsjahr inklusive Abtauung, Warmwasser, Hilfsenergie und Zuheizen. Für Ihre Stromkosten ist die JAZ maßgeblich, nicht der COP.
Weil das Labor bei konstant milden Bedingungen misst, während die Anlage im realen Betrieb auch bei Frost arbeiten, Warmwasser bereiten und takten muss. Diese Verluste senken die reale Effizienz gegenüber dem idealen Laborwert.
Für die Förderung über das KfW-Programm 458 ist eine Mindest-Jahresarbeitszahl von 3,0 erforderlich. Eine fachgerecht geplante Anlage übertrifft diesen Wert in der Regel deutlich.
In vielen Fällen ja. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die benötigte Vorlauftemperatur. Werden die Räume bei 55 Grad Vorlauf ausreichend warm, ist das Haus meist geeignet. Mit gezielten Maßnahmen lässt sich die JAZ häufig zusätzlich verbessern.
Den COP als Gerätewert nicht, wohl aber die reale JAZ. Die wirksamsten Hebel sind eine möglichst niedrige Vorlauftemperatur, ausreichend große Heizflächen, ein sauberer hydraulischer Abgleich und eine korrekt eingestellte Heizkurve.
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